Ari

 

 

Marion Berger mit Nicky und Ari

 

 

 

 

Ari – meine Geschichte


Wenn ich zurückdenke, wurde ich 2008 als Pudel-Mädchen in Spanien geboren und hatte eine schöne Zeit bei meinem Frauchen. Die kümmerte sich gut um mich, wir gingen viel spazieren, und sie spielte mit mir. Bis wir an einem herrlichen Frühlingstag von einem Spaziergang zurück kamen und mich auf der ersten Treppenstufe zu unserer Wohnung ein furchtbarer Schmerz traf, dass ich laut aufjaulte und gar nicht mehr aufhören konnte zu jammern. In der Tierklinik erklärte man meinem Frauchen, dass ich einen Bandscheibenvorfall hätte, der sofort operiert werden müsste. Da diese Operation sehr teuer ist, lehnte mein Frauchen ab und ließ mich allein in der Klinik zurück. Ich wurde nicht operiert und in einem kleinen Raum in der Klinik untergebracht. Ich hatte immer noch große Schmerzen und wollte nach Hause in mein Körbchen – ich verstand das alles nicht.

Die Wochen vergingen, die Schmerzen wurden weniger, aber ich konnte nicht mehr laufen, meine Hinterbeinchen waren gelähmt. Maria, die in der Klinik arbeitete, besuchte mich so oft sie konnte in meinem Zimmer, brachte frisches Wasser und Futter und massierte mir ein wenig den Rücken. Sie wechselte auch die Zeitung, die ich als Klo nutzen konnte. Eines Tages brachte Maria ein selbst gebautes Gestell mit Rädern darunter mit. Da hinein setzte sie mich, schnallte mich fest, und so konnte ich mit Maria spazieren gehen.

Dann kam ein Tag im Herbst, dass Maria zu mir kam und mir fröhlich erzählte, dass ich nach Deutschland fliegen und bei einer Familie mit zwei Kindern leben würde. Dort würde man sich gut um mich kümmern und mich lieb haben, so behindert wie ich nun mal war. In vier Wochen sei es soweit und die Ärzte und Helfer in der Klinik freuten sich ganz doll und waren sehr glücklich. Nach zwei Wochen kam Maria weinend zu mir und sagte traurig, dass die deutsche Familie mich doch nicht haben wollte. Die Ärzte hier in der Klinik hätten nun entschieden, dass ich euthanasiert werden sollte, wenn sich innerhalb eines Monats niemand meldete, der mich haben möchte.

Ein paar Tage später sagte mir Maria, dass es in Deutschland einen kleinen Gnadenhof gibt, die fast nur alte und behinderte Tiere in ihrer Obhut haben. Die haben dort schon einen kleinen Hund im Rollstuhl und würden mich gern aufnehmen. Aber ich sollte mich nicht zu früh freuen, erst, wenn alle Papiere fertig wären und ich tatsächlich flöge.

Dann war es soweit: Alle Ärzte und Pfleger verabschiedeten sich von mir und freuten sich für mich, dass ich tatsächlich in Deutschland leben werde. Auf dem Flughafen in Deutschland angekommen, wurde ich von einer Frau und einem Mann in Empfang genommen und in einem Auto, warm und weich eingepackt, nach Edewecht zu dem kleinen Gnadenhof gebracht. Dort wurde ich von den Hunden und den Menschen ganz lieb begrüßt und in ein warmes Zimmer mit einem kuscheligen Nest gebracht und verschlief den ganzen Tag, total erschöpft von den Aufregungen der langen Reise von Spanien nach Deutschland und von den vielen Eindrücken.

Anfangs war der Umgang mit mir für die Menschen nicht einfach. Denn im spanischen Bericht des Tierarztes stand, dass ich etwas laufen kann, meine Geschäfte draußen erledigen kann und ansonsten gesund bin. Aber das stimmte gar nicht: Ich konnte doch meine Hinterbeinchen schon lange nicht mehr bewegen und hatte ab Mitte meiner Wirbelsäule kein Gefühl mehr. Also machte ich alles unter mich, wenn ich musste. Außerdem hatte ich eine ganz schlimme Hauterkrankung aus Spanien mitgebracht, die dort häufiger vorkommt und die man in Deutschland kaum kennt. Die Menschen gaben sich ganz viel Mühe mit mir und waren lieb zu mir – ich konnte doch auch nichts für meine Situation. Sie versorgten mich mehrmals täglich mit frischen Windeln, so wie den kleinen Fips. Sie gaben mir einen neuen Rollstuhl, denn mit dem alten fiel ich oft um, wenn ich um die Kurven flitzte. Und sie pflegten meine Haut gesund – das dauerte mehr als ein Jahr und alle hier viel Geld und Nerven.

Dann kam meine liebe Patin auf die Idee, mit mir und ihrem Dackel Nicky spazieren zu gehen. Sie sah, dass ich mein Schwänzchen wieder bewegen konnte, wenn ich mich freute und dass ich manchmal im Rollstuhl mit meinen Hinterbeinchen zappelte. Meine Patin schlug vor, dass ich Physiotherapie haben sollte, dass sie mich regelmäßig nach Oldenburg dorthin fahren würde – und auch noch alles bezahlen möchte. Das war eine ganz tolle Idee, denn ich fahre so gerne zur Physiotherapeutin und kann mittlerweile aufstehen und im Rollstuhl viele Schritte mitlaufen. Die Therapeutin sagt, dass ich gute Fortschritte mache und vielleicht bald wieder selbst einige Schritte gehen kann. Das wäre toll, und vielleicht brauche ich dann tagsüber auch keine Windeln mehr.
 

 

 

 

© Sommer