Mina

 

Mina wurde 2008 als gesundes kleines Katzenmädchen geboren. Sie war 4 Monate alt, als ein Mensch mit Schrot auf sie schoss und ihr das rechte Beinchen zertrümmerte. Unter unvorstellbaren Schmerzen und ganz auf sich allein gestellt, schlug sie sich mühsam irgendwie durch. Niemand erbarmte sich des Tieres, niemand ging mit ihr zum Tierarzt, damit ihr geholfen wurde. Schließlich wurde sie, am Straßenrand kauernd, von einer Tierschützerin aufgelesen und uns übergeben: Eine kleine, zarte, verängstigte Katze, völlig unterernährt, voller Bisswunden und Parasiten, mit einem hängenden rechten Beinchen, das sie nicht mehr gebrauchen konnte. Wo anfangen? Zunächst versorgten wir sie mit gutem Futter, befreiten sie von Parasiten und gaben ihr das Gefühl, dass wir sie lieben und alles gern für sie tun. Die mittlerweile etwa 10 Monate alte Katze, die wir ‚Mina’ nennen, erholte sich gut und fasste langsam Vertrauen zu uns und ließ sich streicheln. Nur das rechte Beinchen durften wir nicht berühren. Der Besuch beim Tierarzt ergab, dass der Knochen des rechten Beinchens völlig zertrümmert war. Zwischen den Trümmern waren im Röntgenbild sicher 100 Schrotsplitter zu sehen. Anhand des Heilungsprozesses der Haut und des Gewebes konnte der Tierarzt sagen, dass das Tier etwa 5 Monate lang unversorgt mit dem zerschossenen Bein gelebt hatte. Und er sagte auch, dass das Bein so schnell wie möglich amputiert werden muss. Unser Betteln, dem Kätzchen das Bein zu retten, war vergebens – es war zu spät. Mina überstand tapfer die Amputation. Wieder Zuhause, ging Mina als Erstes auf ihr Katzenklo, scharrte sich mit ihrem linken Beinchen ein Loch, setzte sich darüber und scharrte das Loch wieder zu. Wir alle standen fassungslos und zu Tränen gerührt vor diesem tapferen, lieben Katzenmädchen.

 

Mina

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© Nachtkamp, Sommer

 

Mina wurde schnell gesund, die Wunde heilte gut. Mina schmeckte ihr Futter prima, sie wuchs und gedieh, und entwickelte sich zu einer schönen Katze, mit glänzendem Fell und leuchtenden Augen. Und sie wurde ganz Katze: Wenn wir sie zu lange streicheln, langt sie uns blitzschnell eins mit ihrem linken Pfötchen. Ihre Artgenossen mag Mina überhaupt nicht und versteht sich bestens darauf, diese durch Fauchen und Aufplustern auf Abstand zu halten. Mina hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Hunde zu erziehen und ist dabei so überzeugend, dass diese einen großen Bogen um sie machen. Ansonsten geht Mina gern nach draußen, wälzt sich in der warmen Sonne, fängt Mäuse, klettert auf Bäume – kurzum, Mina genießt froh ihr Leben. Am meisten genießt Mina es, allein in ihrem eigenen Zimmer zu sein, sich in die warmen, weichen Decken zu kuscheln und satt und zufrieden vor sich hin zu dösen. Wenn wir vor ihrem Fenster stehen und sie uns sieht, streckt Mina sich und zeigt uns ihr kleines Bäuchlein. Und wir alle hier freuen uns, dass es Mina so gut geht.