Zausel †

 

Durch einen Zufall wurde Zausel von einer Tierschützerin entdeckt. Alle Nachbarn wussten Bescheid über das Schicksal des Katers: Sein Herrchen wollte ihn nicht mehr, als das Tier älter wurde. Mit dem Besen wurde dem Kater klar gemacht, dass er verschwinden soll. Aber Zausel liebte sein Zuhause und sein Herrchen – auch wenn er ihm nichts mehr zu essen gab, kein Wasser, keinen Schlafplatz. Zausel magerte ab, war voller Parasiten, er wurde krank, und die Haut ging kaputt. Auf mitleidig vor die nachbarschaftliche Hintertür gestelltes Futter stürzte er sich gierig, ausgehungert an Futter, Wasser und Liebe.

 

Dann kam er in unsere Obhut, bekam ein eigenes, warmes Stübchen und ausreichend zu essen und zu trinken. Zausel stürzte sich zu jeder Mahlzeit voller Gier auf sein Futter, aus Angst, es könnte bald nichts mehr geben. Zausel war sich nichts mehr wert, pflegte seinen Körper nicht und legte sich auf seine Exkremente, die er in sein Kuschelnest machte. Wir begannen, seinen mageren Körper wieder aufzubauen, ihn in jeder Hinsicht zu versorgen und gesund zu pflegen. Jeden Tag sorgten wir geduldig für ein sauberes Zimmer und frische Decken und Kuschelkissen. Zausel schlief unter Rotlicht, das seinen Körper wärmte und dazu beitrug, dass die Haut heilte. Nach einem halben Jahr voller Liebe und Pflege für den alten Kater nahm er sein Katzenklo an und begann, seinen Körper zu pflegen. Zausel war dankbar für jedes gute Wort, dankbar für sein Futter, das er immer noch gierig aß, und er hatte Freundschaft mit den anderen alten Katzen in der Gruppe geschlossen. Wir alle waren dankbar, dass wir Zausel noch einmal zeigen konnten, dass es Menschen gibt, die hinsehen, wenn andere schon lange weggesehen haben und ein Tier um seiner selbst willen lieben – egal, in welchem Zustand es sich befindet.

 

Zausel
 

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Zausel

 

© Nachtkamp, Sommer

 

Dann kam die Zeit des Abschiednehmens für den mittlerweile sehr alten Kater Zausel, der schon lange nicht mehr zauselig war. Eines Tages legte er sich auf ein weiches Kissen, umgeben von seinen Freunden, die immer mal nach ihm sahen und sich zu ihm legten. Wir deckten Zausel mit einer weichen, wärmenden Decke zu, versorgten ihn mit allem, was er noch brauchte und zeigten ihm noch einmal, dass wir ihn liebten. Als Zausel von allein im Beisein seiner Freunde ganz ruhig und sanft in unseren Armen einschlief, war es, als ob er lächelte.